Dezembertext:24.12.02,,

DI – 24. Dezember 2002
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Es ist 17 Uhr 45.
FEMINISSIMA begrüsst ihre 35 Gäste von heute.
Kommt herein.
Lasst uns eine kleine Andacht abhalten.
Wir zünden all die Kerzen an, setzen uns an die Orgel
und spielen eine BACH-Kantate.
Wir beten.
Stumm.
Denn unsere Wünsche und Sehnsüchte sind unterschiedlich.
Wir blicken uns in der Kirche um und denken –
ob es nächstes Weihnachten noch diese Kirche?
Diese Orgel?
Diese Menschen gibt?

Die UNO, ausgerechnet das Organ, das den Weltfrieden schützen sollte, nach bitteren Kriegen als “Vereinte Nationen” eingerichtet –
beteiligt sich ungeniert an den Kriegsvorbereitungen gegen den IRAK.
Damit bricht sie das,
was für immer die Völker vor Elend, Leid, Untergang, Folter, Mord, Grausamkeit schützen sollte: das VÖLKERRECHT, das ANGRIFFSKRIEGE ÄCHTET.
Die UNO sammelt schon Millionen, um die “ärgste Not von Flüchtlingen abzumildern”.
Geschätzt bereits rund 1 Million Flüchtlinge.
Wir werden alle Flüchtlinge sein.
Denn wenn dieser US-KRIEGS-BEGINN nicht verhindert wird,
kann uns kein Gott mehr gnädig sein….
er wird sich von den unbelehrbaren Menschen abwenden.
“Erst Irak und dann die ganze Welt” –
schrieb FEMINISSIMA vor längerer Zeit.
Nun las sie –
“Der IRAK ist erst der Anfang..”

Ihr Lieben – die Glocken beginnen zu läuten.
Und sie klingen nie so heilig und andachtsvoll,
wie an dem heutigen Abend –
“Heute wird Euch ein Kindlein geboren…”
“das FRIEDE auf die Erde bringen möchte..”
sagt die Botschaft.
Lasst uns alle beten –
wenn es denn hilft!
FÜR DEN FRIEDEN.
FEMINISSIMA umarmt Euch vorsichtig –

und wünscht Euch allen –

eine Weihnacht, deren Segen wir ..spüren…?

Ja, wir gehen um halb 6 in die Kirche.
Wir möchten die Orgel hören. Die Lieder singen. Und die Menschen sehen. Und die Weihnachtsgeschichte hören..

FEMINISSIMA schaut nachher noch einmal rein, zu Euch,
wie immer.
Natürlich.
Warum sollte sie Euch ausgerechnet am Heiligen Abend …alleine …lassen?
FEMINISSIMA.

hier die früheren Texte von heute:

Guten Tag-die-Lieben-LeserInnen-von-24.-12.-02
FEM um 13.30 Uhr…

Ein ganz herzliches…
Ja.
Da hat die Verkäuferin aus der Backwarenabteilung des riesigen Supermarktes
noch blitzeschnell kurz vor eins
(dann alle Kauf-Fallen dicht!)
sich aus dem angegliederten, riesigen Getränkemarkt ein paar viele Dosen Cola,
(richtig viele!)
von der Kollegin aus der Metzgerei-Abteilung
(die kaufte noch rasch eine Flasche Schnaps,
um im Delirium den Anblick wirbelnder Würste zu vergessen)
noch ganz ganz schnell mitbringen lassen.

“Sonst sitze ich mitten in der Bescherung( daheim) auf der Couch und bin eingeschlafen”.
Und dann haben alle die Bescherung. Mama eingeschlafen!
Erstmals in ihrem Leben…
seit “Menschengedenken” sozusagen…
bewegte EURE FEM ihre Füsslein an diesem 24. Dezember nicht mehr (noch nicht) aus dem Haus…(sondern legte sie hoch..hihi!!Neidisch, was??)
weil es an solchen Tagen nämlich immer nur bedeutet –
“Doch noch ganz schnell…
immer noch etwas ganz schnell einzukaufen…!
NEIN!
Ausgiebiges Frühstück um elf Uhr.
Haha!
FEM, wie listig!
schon wieder topmunter.
Die anderen nicht.
Blickten etwas verstört, angesichts von derart unanständiger Lebendigkeit..
und schoben wortlos ihr Rührei in sich hinein.
Nach dem ersten tiefen Schluck des Milchkaffees änderte sich das dann schlagartig –
denn der war ausnahmsweise noch heiß, der Kaffee….
Ja, Morgenmuffel, genau.
Nennt man das.
Macht ja nichts.
Jetzt, in dieser Sekunde, es ist 13 Uhr und ungefähr 45 Minuten (keine Uhr geht richtig..)
blüht eine frühlinghafte Sonne auf.
Etwa-
Wenn schon kein Schnee, dann wenigstens Sonne.
Schon besser, als das neblig-nasse-Grau-der-letzten-Tage, nicht wahr?
Ja, gleich spielen wir die beliebte Runde Halma.
Dann ziehen wir uns gemütlich an,
diskutieren noch, ob Kirche ja oder nein…
Danach starten wir ein Christmas-Hopping.
Das erst gar keine störende Stimmung aufkommen lässt:
Denn Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der “Heimkommer”.
Ja, da treffen wir ein paar verschiedene Leute.
Reichlich, hoffentlich.
Das macht Laune..
Vor allem besitzen die garantiert Weihnachtsbäume: sogar geschmückte.
Wir haben ein paar Zweige aus des Nachbars Garten nachts per Scherenschnitt stibitzt
und dekorativ verteilt.
Dazu die Teelichter und Kerzen…
Die versifften Kerzenhalter im Schnellverfahren auf Hochglanz:
Ganz leicht!
Von all den angetrockneten Kerzenresten befreit!
Indem wir die Kerzenhalter kurz und schmerzlos auf eine heiße Herdplatte stellten.

Der Kerzenwachs schmolz, wie Euro im Portemonnaie, schneller, als das Auge blicken kann.
Wunderbar!
Und dann schnell alles (den nun flüssig..gewordenen Kerzenwachs)
auf ein Stück Papier der BILD-Zeitung gekippt, damit farbig die Texte zugekleistert,
und – ja, in die Öko-Tonne?
Oder?
Darf kerzenwachs-besprenkeltes-BILD-Zeitungspapier in die Öko-Tonne?
Jaime rauft sich schwer nachdenklich sein Ohr.
Dann (die Kerzenhalter)
mit Zelltuch trockengewischt:
Und schon sehen sie wieder nach gepflegtem Haushalt aus!
So ungefähr.

FEMINISSIMA wünscht Euch einen streitfreien
und absolut HUMORVOLLEN!
Start in das Weihnachten 2002 — !
Und ist der Ansicht, das Interview von Heidemarie Wieczorek-Zeul in SPIEGEL-ONLINE,
stellt derzeit die beste Weihnachtsbotschaft dar.

FEM, mit der Bitte an das Christkind, einen Krieg zu vermeiden zu helfen, und Mr. Bush ein paar klare Gedanken zu Weihnachten zu schenken!
FEM, mit der Bitte an das Christkind,
die von uns gewählte Regierung vor einem radikalen
RUCK NACH RECHTS DURCH ABSCHAFFUNG DES SOZIALSTAATES
ZU BEWAHREN –
dank ein paar gut eingepackter, besonders klarer Gedanken zu Weihnachten –
dafür hat FEM dem Wunschzettel ans Christkind auch noch ein paar Herzlein draufgemalt! –
ja, mit diesen Wünschen…und an Euch denkend…
Euch auch dankend…(rühr, gerührt, nicht der Teig, sondern FEM)..und daß wir heute schon über 20 Gäste…
zeigt, daß FEM nicht ganz überflüssig…
ja, verzieht sich jetzt FEM für ein Weilchen…
Die Spieler warten ja schon..ungeduldig
“Welche Farbe nimmst Du? Fem?”
Gute Frage!
Bis nachher!
yours/votre/ EURE FEMINISSIMA : BLEIBT DRAN!

und hier geht es weiter zu den Texten der Nacht und so..:

<
Hi, inzwischen ist es halb vier in der Nacht des ..ja, stimmt ja, 24. Dezember.
Vielleicht hattet auch Ihr lebendige und auch Streitgespräche auf gehobenem Niveau…es ist ja die Zeit für ausgiebige, nachdenkliche, als auch rückdenkliche Gespräche und Gedanken…
des Klärens von Mißverständnissen, der Versöhnlichkeit, nach langer Feindseligkeit und das, was wir ja alle irgendwie so kennen.
Ihr wißt, was gemeint ist.
Schaut doch mal mit einem interessierten Auge auf die früheren Texte dieser Nacht und des Vortages, wenn you like it, wenn Ihr wollt –
hier im Augenblick : time to say “Schlaft noch ein bissi” – und –
See you soon!
Eure Euch liebende FEMINISSIMA…
und weiter geht es im Text like this:

So – hallo – der 24. Dezember ist angebrochen.
Seid Ihr noch auf?
Oder schon im Sitzen vor Erschlagenseins eingeschlafen?
Ganz unter uns, FEM, quite personally, hält den Dezember für den schrecklichsten Monat des Jahres.
Ein unnatürlicher Monat.
Der Monat kann nichts dafür.
Wir haben es aus ihm gemacht.
Oder uns so beeinflussen lassen.
Dank einer Werbe-Psychologie, die uns so fantastisch ausspioniert, und manipuliert,
so wie ja all die netten Creditcards etc. pp. genau Aufschluß darüber geben, was gekauft wird und was nicht….
, nein, von der Ursprungsgeschichte, der “Weihnachtsgeschichte” –
ist nichts, aber auch gar nichts mehr übriggeblieben.
Ein gieriges Volk, stattdessen, das sich um 4-Cent-Dosenbiere schlägt,
eine Regierung, die just vor Weihnachten verkündet – frohe Botschaft, nicht wahr!
dass sie den Reichen noch mehr gibt,
und dafür unauffällig bei jenen klaut,
die sich erfahrungsgemäß nicht wehren können –
es ist zum Speien, um es vornehm auszudrücken.
Weihnachten, anno 2002,
zeigt Dir, wie selten zuvor, daß wir in einer extremen Klassengesellschaft leben,
und ein zu Gefängnis verurteilter ehemaliger Bundesminister, dem 11 Millionen (DM, waren es wohl noch) unterschlagene Mäuse vorgeworfen werden,
noch immer mehr wert ist,
als so ein echtes, armes Schwein, das in der Tat kein Geld hat, wenn es sagt, es hat kein Geld.
Das sind die “Unberührbaren” in diesem Land.
Von denen zocken Schröder und Co. noch ab.
Vor den anderen fehlt ihnen der Schneid.
“Frieden auf Erden?”
Lach-laut-doppelt-sweet-bitter.
Sie bringen uns Krieg, Kampf, Rachsucht und Armut, auf der einen Seite –
und auf der anderen – ?
28.000 EURO Monatseinkommen !
Und als Minister zahlst Du eh eigentlich nichts mehr selbst, weil alles der Steuerzahler zahlt –
Wo soll da noch die Vorstellungskraft vorhanden sein, zum “Leben” jener, die 900 Euro und weniger Alhi bekommen, o davon Miete und Leben und “alles” bestreiten müssen ?
Denen wegen eines “Formfehlers” mal eben ein überlebenswichtiges “Kindergeld” gestrichen wird,
und es “normal” ist, daß es dann vier Wochen mindestens dauert, bis es wieder “funktioniert?”
Ob da gerade, welch ein Pech auch! –
Weihnachten dazwischen liegt, Nikolaustag, und oder die Kinder oder eines noch im Dezember auch noch Geburtstag hat –
DAS GEHT doch all diesen STAATS-SATURIERTEN AM ARSCH VORBEI.
Es ist eine Kälte, die keine Weihnachtsgeschichte der Welt wegretuschieren kann.
Und wir haben unsere eigenen Henker auch noch gewählt.
Das ist das Schlimmste dabei! Kommt gut in den 24. Dezember – !
FEMINISSIMA. (Kotz, würg, ).

hier noch die Texte von gestern, magersüchtig:

21:15 Uhr: FAD, UNCHARMANT UND SCHREIEND UNGEBILDET, in jeder Hinsicht:
WIE konnten diese OBERLANGWEILER den Vortest zu: “WER WIRD MILLIONÄR” bestehen?
FEM kürt die heutige Sendung zur SCHLECHTESTEN des gesamten Fernseh-Jahres.
Eine Zumutung. Zeitverschwendung??
NEIN!
Leute, wir klopfen uns auf die Schultern und juchzen,
ach, was wir alles gewußt hätten!!
Vielleicht wären wir jetzt Millionär?
Wer war eigentlich am unerträglichsten?
Die BWL-Studentin (dumm wie Bohnenstroh), der subsumierende Anwalt, (ein kompletter Nullower)
oder die trocken-archiv-zwischenarchivierte Musikwissenschaftlerin des BR, die sogar mit jedem Lächeln geizte?
Oder der erste Gast, der bei der letzten Frage, wie der Satz bei altem Wein..auf “Lager” tippte (hiha..”Binding-Lager?”)
Nein, es war natürlich “Depot”.
Beethovens “Pastorale” kannte der Anwalt ebensowenig, wie er den Joke aufspürte, daß es natürlich außer den Lippenblütlern (das war erst die 1000 Euro-Frage!..) –
OH NO!!
Die wußten alle nichts, gar nichts, ja, kannten nicht mal Sprüche wie :”Keine Feier ohne Meyer”.
Und hätte die BWL-Studentin mal öfter FEMINISSIMA gelesen,
und sich damit ein wenig in FRANZÖSISCH geübt, dann hätte sie, mein Gott, der Mann soll sich scheiden lassen!….(pardon!)
“reüssieren” nicht als “Sprachfehler” eingeloggt, sondern als “Erfolg haben..”
Tja, Bildung kann man halt nicht kaufen.
Frau wie Mann müssen schon ein bissi was defür tun..!
Aber dräuend-drängend bleibt im Raum die Frage hängen –
nach WELCHEN Kriterien kommen solche Langweiler und Nichtswisser in diese Sendung?
FEM fleht: bitte nächstens auch den CHARME-Faktor ein bisserl mit….
ja, wenn’s denn schon nix wissen,
dann doch wenigstens mit Charme, netwahr?
Uff, jetzt schleicht sich FEM in die Küche, um mit ein paar Lippenblütlern..wie Thymian..Salbei und Co..uns auf diesen Schreck und den so freudlos verbrachten Mittel-Teilstrecken-Abend …etwas Gutes zu gönnen.
Und der Anwalt wußte auch nicht, wo all die Holzfiguren herkommen (Erzgebirge),
die uns doch vor allem in Form von Weihnachtskrippen & Co,
ja, er dachte wohl eher an Westerwald…hihi…
da geht es zwar hölzern zu,
aber schnitzen können die nur Herzen in Bäume oder die Klos auf dem Hof…
tschau, Ihr Lieben, und seid stolz auf Euch –
denn natürlich hättet Ihr alle diese pi-leichten Fragen gewußt – ! (ODER ETWA NICHT….????lach-!)

EURE FEM, sich umdrehend:
“Und stellt Euch vor, selbst den FAUST, wenigstens den doch bekanntesten Spruch: “Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gerne”…wurde nur per Publikumsjoker…” —NEE, Oder?
FEM trollt sich…
weiter unten, wie üblich, noch ein paar Tagestext-Krumen..guten Appetit!

Guten Tag – ! Achso, das war schon.

Hi,
es ist kurz vor 19 Uhr,
FEM hat heute nicht viel druff.

Morgen Abend um diese Zeit setze mir dann unser buntgeschmücktes Fest-Gesicht uff,
schmettern “Fröhliche Weihnachten”,
und sinnieren, ob es Bush vom Krieg abhalten wird,
wenn der Papst ihm dabei den Segen versagt.
Und Papa, sofern es einen gibt, der ruft –
“Bald ist die Gans gar”.
Denn Gänse sind was für Männer.
Bei uns traut sich wieder eine Frau.
Die ehemals “rote Heidi” aus Südhessen,
ein wenig Tacheless zu reden, derweil Kanzler und Außenminister Weihnachtsgeschenke einkaufen gehen.
Der eine geküsst.
Der andere ungeküsst.
Und der Ex- Nie – da – Kultur-Staatsminister, lässt seine Frau irgendeiner Zeitung ausrichten, wie schön es wieder in München ist, und dass man endlich wieder Kultur genießt.
Schon eigenartig.
Jo.
Wie geht es Euch?
Na, sorry der Nachfrage.
Dieses Jahr, so unheilig wie noch nie.
Unheilige Zeiten.
Ob daran die morgige “Heilige Nacht” etwas ändert?
Einmal im Jahr, waren aber schon mindestens drei Jahre oder so nicht mehr, geht man in die Kirche.
Und das ist am Heiligen Abend.
Mal sehen, FEM ist schon richtig neugierig,
wie in diesem Jahr die Predigt ausfällt.
Das zu erfahren, ist schon ein Grund, in die Kirche zu gehen.
Und weil die Kerzen über einem Meter hoch sind.
Nein, FEM ist evangelisch.
Aber zu Weihnachten sind auch in der evangelischen Kirche, jedenfalls war das früher so.
Da war FEM aber auch noch kleiner.
Na..bis dann.
Morgen wieder mehr Schwung.
Hoffentlich – !
FEMINISSIMA (die kein Geschäft mehr sehen und den Satz:
“Was brauchen wir denn noch?” nicht mehr hören kann):
Dieser eingetrichterte Perfektionismus zu “Weihnachten”, der ist einfach nicht mehr normal.
FEM hält sich dieses Jahr weitgehend raus, und trotzdem war es schon anstrengend genug…
Wir brechen auch mit der Tradition, indem wir den morgigen Abend WOANDERS und nicht in den eigenen trauten 4 Wänden verbringen…
wie herrlich….
FEM rät:
Macht es doch auch so..
allerdings bringt FEM etwas mit.
Also, ganz ohne Arbeit, ohne Eigenleistung –
nee, iss Weihnachten für Frauen einfach nich’ drin…CU – Ihr Süßen – !
Bleibt dran !

FEM hat sich gerade mal zu Euch geschlichen,
muß jetzt noch ein wenig Konversation woanders betreiben…hihihii
aber heute noch ohne Festtags-Gesicht, wie erleichternd…
Ja.

CU! denn…

Und hier der karge Nachmittag:

Es ist schon halb vier an diesem Montag.
Er war heute Morgen dunkel und wird jetzt auch schon wieder dunkel.
Zwischendrin war er grau.
Stoßstangen-Kontakte in den Großstädten.
Die blauen Abgaswolken wie Faun-Fantasien in dem Nebellüftchen – ! Doch, es weihnachtet sehr!
Unter der Brücke wird das Dosenbier gelüpft und darüber gemeckert,
dass die Gastronomie all das 4-Cent-Dosenbier von Aldi gestürmt hat, und es nun für 1.40 Euro das Glas verkauft…
alles gelogen…
Na, Ihr Lieben,
gerade haben wir erschrocken gemerkt, daß wir ja mit den Kartoffelpuffern, die wir uns, schwatzend, und heftig darüber diskutierend,
ob Bsirske ein sechsstelliges Jahresgehalt haben soll oder muß
um mitzuhalten,
oder doch nicht,
ob die FDP gefährlicher ist als die Neonazis
oder genauso schlimm
dabei immer mit dem Messer ein Stückchen Acrylamid durch Häppchen von Kartoffelpuffer, die eigentlich hätten Klösse werden sollen,
fanden wir aber oberspießig,
und dass Lafontaine jetzt zum Streik aufruft,
Bush sich vorweihnachtlich,
wie gesund
gegen Pocken impfen lässt,
dass Schläfer im Sicherheitsdienst am Frankfurter Flughafen sitzen,
wie toll Frank Lehmann die zuvor so langweiligen Börsenberichte macht, richtige Krimis
und dass der Sch..Krieg wohl nicht mehr zu vermeiden ist..
ja, wie Ihr seht, sind auch wir hier, wie überall auf den Tannenspitzen richtig weihnachtlich und rührselig drauf…
FEM grüßt ihre wunderbaren Gäste, g estern 47 und heute…na, der Tag ist ja noch lang..!

BLEIBT DRAN !

FEMINISSIMA – online only.

GROSNY – ZDF-Heute-Journal, 6.11.02

SUPISSIMA vom 6. November 2002

ZDF-HEUTE –JOURNAL

BERICHT ÜBER GROSNY

„In Grosny gibt es eigentlich nichts mehr zu zerstören“ –

und dennoch finden die russischen Machthaber noch immer

weitere Möglichkeiten der Gräueltaten.

Ob Kindern in den Kopf geschossen, Ruinen noch gesprengt,

„Männer über 13 Jahre angeblich alle erschossen“, um am nächsten Tag den Frauen zurückgebracht zu werden –

es sind die FRAUEN, Mütter, die, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben

in die ZDF-Kamera ( sie war keine Sekunde ohne russische Bewacher, Russland hat ja nach dem „Tod im Theater in Moskau,“ vor 14 Tagen jede kritische Berichterstattung „per Gesetz“

massakriert, ) –

SCHREIEN – eine Mutter: „Dann sind wir eben alle Terroristen! „

FEMINISSIMA dankt der ZDF-HEUTE-JOURNAL-REDAKTION für diesen

Bericht. Und verleiht ihr den ehrenhaften SUPISSIMA- PREIS.

Die Demokratie hat sich von Rußland, nach einer minimalen Stippvisite, verabschiedet.

Die Kunst dieses Beitrags – Bilder und Originaltöne für sich selbst sprechen zu lassen.

Ohne „Einschätzung“. Ohne Relativierung. Ohne Dramatisierung.

Elend ohne Adjektiv. Elend. Nur Elend. Elend.

Der Tag, an dem Olaf sich an den Flügel setzte

Die hellen Stoff-Jalousien waren herabgelassen. Draußen Sommer.

August.

Das Zimmer hinter den Jalousien wirkte verschwiegen und auf unerklärliche Weise morbid.

Nein, vielleicht eher obszön.

Nein, nicht das Zimmer.

Die Atmosphäre.

Ein Hauch von unbeabsichtigter Obszönität, selbstverständlich.

Denn wir standen in einem fremden Zimmer.

Wir standen in einem Wohnzimmer, dessen Bewohner verreist waren.
Wir blickten in ein Leben, das nicht das unsrige war.

Und auch wir beide, Olaf und ich, kannten uns kaum.

Wir hatte uns auf einer Party irgendwo auf dem Land kennengelernt.

Und eine ganze Nacht lang Tango miteinander getanzt.

Eigentlich kennt man sich dann.

Jedenfalls weiß man dann schon sehr viel voneinander.

Ohne miteinander reden zu müssen.

Ich war allein in diesem Sommer.

Olaf hatte den Portwein auf der Anrichte entdeckt.

„Komm, wir trinken Portwein,“ sagte Olaf.

„Mir ist danach: Portwein am frühen Nachmittag im Sommer, hinter herabgelassenen Jalousien, in einem Haus, das wir nicht kennen, vor einem zauberschneeweißen Flügel…komm, lass uns trinken…bis wir alles vergessen. Der Portwein-Rausch ist der allerbeste..“

Olaf und ich hatten uns ein paar mal verabredet. Fuhren hinaus ans Meer. Liefen herum.

Schwiegen. Sahen den Möwen zu. Legten uns in den Sand. Wir badeten nie. Wir starrten in den Himmel oder blickten hinaus aufs Meer und schwiegen. Manchmal legte Olaf seinen Hand auf meinen Arm, als wolle er etwas sagen. Und wir liefen weiter. Ziellos. Wir ließen uns treiben. Manchmal sprang ich bis zu den Knöcheln in die Brandung, mein Kleid mit der einen Hand raffend, in der anderen Hand meine leichten Segelschuhe…aber ich ließ es bald wieder sein. Diese Gesten waren aufgesetzt. Sie hätten heiter wirken können. Aber sie waren nicht heiter.

Der Port war gut und schwer und süß. Ich spürte ihn sofort in mein Blut übergehen.

Olaf hob sein Glas, sah mich mit seinen hellen Augen an und sagte trocken:

„Auf die Einsamkeit. Es gibt nichts Ehrlicheres!“

Unsere Gläser vibrierten beim Anstoßen.

„Edles Zeug, der Stoff“, bemerkte Olaf lässig.

„Deine Freunde haben einen gediegenen Geschmack.“

„Ja!“ nickte ich. „Ja.“

„Wir trinken die Flasche leer..“ sagte Olaf.

„Ich besorge Ersatz. Wir haben doch heute nichts mehr zu tun.“

„Ja.“ Sagte ich. „Ja. Das ist eine gute Idee.“

Es war aufregend, an einem schwülen, trägen Augustnachmittag hinter herabgelassenen Jalousien in einem fremden Zimmer mit Olaf Portwein zu trinken.

Wir saßen nebeneinander auf der taubenblauen Biedermeiercouch wie von einem Fotografen arrangiert. Olaf blickte mich an. Ich wußte nicht, was er dachte. Ob an das Schiff, das er reparierte oder an mich oder an seine Kinder, die bei seinen verschiedenen Frauen von früher lebten oder an mich, ich wußte es nicht. Es war mir gleichgültig. Ich brauchte nicht zu wissen, was er dachte. Er war da. Einen halben Nachmittag lang. Mein Freund. Mein fremder Freund. Den ich kannte, weil wir Tango miteinander getanzt hatten. Eine Nacht lang.

Ich stand auf, stellte das Portweinglas vorsichtig auf dem Flügel ab und klimperte spielerisch mit einem Finger über die Tasten.

Olaf kam von der Biedermeiercouch herüber zu mir, setzte sich auf den Klavierschemel und legte seine Hände ruhig auf die Tasten den Flügels. Ich lehnte in der Biegung des Flügels und wußte nicht wohin mit meinen Händen. Mein Portweinglas stand etwas zu weit von mir auf der weiten Fläche des Flügels.

Olaf warf mir einen Blick zu und begann zu spielen.

Es überraschte mich eigentlich nicht, daß Olaf Klavier spielen konnte.

Und er begann zu singen…:

„When I lost my Baby….“

Olafs unerwartet warme, weiche, schmachtende Stimme umfing mich…ich spürte jene lange durch die Zeitalter von Rationalität und zusammengepressten Lippen vergessene Sehnsucht jener Herbstnächte meiner Jugend in mir aufsteigen….die frühe Dunkelheit…der modrige Geruch verwelkter Blätter…die langen Spaziergänge….und all die Träume, die Träume und die Hoffnung, doch an jenem Abend vielleicht „Jenem“ zu begegnen, weil ich seinen Weg kannte, „Jenem“, der mein Herz höher schlagen ließ, ohne, daß er davon wußte. Ein Blick von ihm allein genügte, und schwärmerische, idealistische Welten öffneten sich…ach, er hat mich angeschaut…heiß und kalt lief es über die Seele und das Gesicht. Ob er etwas gemerkt hatte?

Zurückgekehrt nach Hause, ins helle Licht der Wohnstube, wurde tadelnd gefragt, wieso ich so spät zurückgekehrt sei….die Antwort war der Versuch, ein entrücktes Lächeln zu verstecken , und die Ausrede, eine Freundin getroffen zu haben.

Olaf sang..von den Blueberry Hills…

Die Gedichte fielen mir ein, von denen der Adressat nie und nimmer geahnt hatte, ebensowenig wie von meinem sehnlichsten Wunsch – ihm zu begegnen. Wir haben uns nie persönlich kennengelernt. Aber ich träumte einen ganzen Winter lang von ihm.

Olaf hatte aufgehört zu spielen.

Er stand auf.

„Ich muß jetzt gehen“, sagte er.

„Ja,“ antwortete ich. „Ja“.

„Ich komme wieder“, sagte Olaf.

„Ich weiß…“ antwortete ich.

„Bis zum Herbst habe ich Dir eine Wiege besorgt“, sagte Olaf.

Ich lächelte. Ja, ich erwartete mein geliebtes, unbekanntes Kind.

Ich hielt mein Glas Port wieder in der Hand.

Ich reichte Olaf meine Wange zum Hauch von einem Kuß hin.

Und Olaf ging und ich blieb allein, mit dem Glas Port in der Hand, hinter herabgelassenen Jalousien, an einem augustschwülen Tag, in einem Raum, der mir fremd war.

Ich stellte das Glas vorsichtig ab und zog meinen Ehering vom Finger. Legte ihn neben das leere Glas.

Olaf würde wiederkommen. Ich wußte es. Mein Mann nicht. Das wußte ich auch.

Von : Florence