Ostern 2021 – Corona-Ostern…. “Wucherungen”

update – 21:18 Uhr #Teneriffa : Es bleibt bei der Skizze… jedenfalls hier… live und ungeschützt… :)

Skizze – vom letzen Jahr…. in Word gefunden, auf der Suche nach etwas anderem, klar, wie imme!

“In diesen Tagen, ein eigentümlicher November, der Kalender zeigt den 15. November 2020 an, es ist Sonntag, die Welt versinkt in einem Trauma, das sich nie jemand hat vorstellen, ausmalen können, und es hat auch einen Namen: Pandemie. Die Welt wird von einem Virus angegriffen und dahin¬¬¬gerafft. Es scheint kein anderes Thema mehr zu geben. Wie auch. Das Fremde, Unheimliche, das Tödliche, die Restriktionen des vorher als so selbstverständlich hingenommenen Lebens in Freiheit, jetzt Reisewarnungen, geschlossene Restaurants, Schulen, Gesichtsmasken vor Mund und Nase, Künstler ohne Arbeit, Tanzen verboten, Geselligkeit, Umarmungen verboten, das lähmt, alles.
Und da ruft Evelyn an. Wir hatten schon länger keinen Kontakt mehr, aber waren einmal „sehr gute Freundinnen“, wie man das so nennt. Als unsere Söhne klein waren.. Und wir zufällig Nachbarinnen waren. Oder hatten wir uns über den Kindergarten kennengelernt?
Ich lebe inzwischen in einem anderen Land, ohne Winter: wir haben die CoronaKrise überwunden. Wir sind kein Risikogebiet mehr. Und daher klinge erfreut, am Telefon.
„Oh, das ist ja eine Überraschung! Dich mal wieder zu hören? Wie geht es Dir denn?“
Evelyn sagt, mit flacher Stimme, ohne Umschweife, sie habe jetzt Krebs. Brustkrebs. Und sie wisse nicht weiter. Sie sei wie betäubt, verzweifelt, fühle sich so hilflos. In ein paar Tagen das nächste Gespräch. Wo sie operiert würde. Und ob „brusterhaltend“ oder – …Sie lässt das Ende des Satzes in der Luft hängen. Dann setzt sie wieder ein:
„Du hast es doch hinter Dir! So dass ich sofort an Dich dachte, Welche Ratschläge Du mir geben kannst!“
Ich versuche, mir den Schreck nicht anmerken zu lassen, einfühlend und tröstend zu klingen.
„Hey, Evelyn, ich hab es geschafft, und überlebt. Und andere ja auch! Und Du wirst es auch!“
Und wie im Zeitraffer springt mein Hirn zurück, während ich Evelyn beruhige, behutsam, und ihr sage, ich werde ihr eine Mail schicken, mit Fragen, die sie stellen soll. Ehe sie sich einfach unters Messer …denn das war ihr ja bereits gesagt worden, so als müsse auf jeden Fall ein Krebs operiert werden. Aber das sind schon wieder ungehorsame, aufrührerische Gedanken…
„Evelyn, du lässt eine Biopsie machen, fragst nach Teilungsgeschwindigkeit des Tumors, wenn er sich nur langsam teilt, Genaueres maile ich Dir, bist Du schon mal auf ner sehr sicheren Seite. Denn dann wird er vermutlich nicht streuen. Und das ist hervorragend. Evelyn ist Pädagogin, Sie notiert: Teilungsgeschwindigkeit.
Lass Dir auf jede Fall den schriftlichen Befund geben, lies ihn zuhause in Ruhe durch. Und schau hin, ob der Tumor gestreut hat oder nicht. Das muß dort drin stehen. Sonst fragst Du.
Dann telefonieren wir wieder, und wieso hast Du jetzt den schriftlichen Befund noch nicht?“
„Die Röntgenärztin sagt, sie schickt es an meinen Gynäkologen. Damit wir alles besprechen können.“
Lass Dir unbedingt die Befunde geben. Sonst kanst Du nicht richtig fragen. Ruf mich an, sobald Du das durchgelesen hast, und mit dem Arzt besprochen hast, oder, egal, kannst auch jeder Zeit eine Whatsapp. Ich bin da!“ Ich merke, wie ich immer aufgeregter werde. Denn Du weißt ja nichts, gar nichts, wenn Dir diese Diagnose mitgeteilt wird, woher auch. Du kennst nur die Horrormeldungen, wer mal wieder gestorben ist, wenn prominent genug, um darüber zu berichten. Aber du erfaehrst nie, wie genau der Krebs ausgesehen hat, also kennst weder den Krabsstatus, und erst recht nicht das Chemotherapie-Konzept, ob auch Bestrahlung, zusätzlich Hormontabletten. Ob brusterhaltend operiert worden war, oder die Brust abgenommen worden ist. Kurz, was man mit der Patientin gemacht hat. Das erfährst du nicht. Dabei hatte sie ja erst vor Kurzem die sogenannten Krebstherapien „abgeschlossen!“ Also mußte da doch war faul sein. Aber ich will Evelyn auf keinen Fall jetzt zusätzlich beunruhigen. Wir legen auf und ich merke, dass ich zittere.

Nein, ich ich glaube, ich werde sie nie vergessen, jene Dezembertage, sie wirkten so surreal. Lag es an den Wolken, die das Tageslicht längst verschlungen hatten? Wie schwere Zementsäcke hingen sie über der Kleinstadt, so als würden sie jeden Augenblick aufplatzen, und das Tal unter ihrer Grauschicht begraben.
Zugleich lag eine fiebrige Hektik in der Luft.
Denn es war der letzte Dezember im 20. Jahrhundert. Nur noch wenige Tage und 1999 versank in in den sprühenden Kaskaden eines unendlichen Feuerwerks. Musik. Gekreische. Umarmungen. Glückwünsche. Stimmen überkippend, gerührt, rührselig, angetrunken, im hessischen Dialekt:– „Ei, Mädche,dann komm gut rinn! Alles Gute!!“ Ein diffuser Schmatzer auf die Wange. Ein neues Jahrtausend! Eine ganz neue Zahl, anno 2000! Ja. Alles auf Anfang. Ende und Anfang. Das Gestern abgehakt. Alles erreichbar und machbar. Jedenfalls in dieser Nacht! Einer Nacht des schieren Wunders, einen Jahrtausendwechsel erleben zu dürfen.
Ich stand am Fenster des Hauses und blickte in den Garten, seine Rosenstöcke, die Lavendelstauden, den Rasen. Ich hatte sie im Sommer von Schlingpflanzen befreit. Das Haus hatte lange leer gestanden. Wegen Erbstreitigkeiten. Jetzt wirkte der Garten verblichen. Griesgrämig und gebrechlich.
Ich wartete auf einen Anruf. Ich war allein im Haus.

okay – es ist 19Uhr 49 auf Teneriffa – -schönen Sonntagabend noch… Morgen hier wieder Werktag… nicht schlecht…Vielleich schreib ich eben gefundende Skizze – irgendwann weiter…. Seitdem ich mich in die Tiefen des WORD-Archivs …finde ich oft Texte nich wieder, weil ich den Titel so oft verändert habe….ja, alles Technik oder was.. ?? ..lol…