Ein neuer Sommer – Juli 2020 – Was haben wir hinter uns!

Willkommen zurück…Erst einmal…
Wenn Ihr Euch nach den lange Pausen ein wenig mit feminissima.de vertraut machen wollt, von mir, der oft zitierten Marenga (in Wirklichkeit Roswitha, furchtbar brav, und wer will das schon wissen!) so empfehle ich Euch einen Ausflug in die Kategorie
“fem&Leben” … Es sind alles live-texte, so wie wir heute auf Twitter und Co schreiben, hatte FEMINISSIMA seit ihrer Gründung am 12. Juli 2002…! den Vorzug eines Echtzeit-Schreibprogramms, dank des begnadeten und geduldigen Webmasters….es ist meistens der Sohn , genau..! Ja. Endlich wieder online. Ein neuer Router, wunderbar, der berühmte USB-Stick in real im Lap, schnurlos, und ich kann schreiben mit Internet – wo und wie ich will…. (so lange der Laptop mitmacht, ohne Stromanschluß…) . Ja, okay. Da alles live und nie vorgeschrieben, sind es Atmos…Infos…Emotionen…. Ein Tagebuch der Momentaufnahmen …wenn du so willst… der Zeit, wie sie so vergangen ist… ein Tagebuch…ohne, dass es so beabsichtigt war… der Gegenwart….die schon wieder Vergangenheit…. Gute Nacht erst einmal …aus Teneriffa…
Von wegen – (update 4 Uhr 44, local time) – der Schlaf will nicht kommen. Kein Wunder, wir sind ja in der Gegenwart. Die Vergangenheit, diese 3 Monate – ab dem 14.März, lastet auf uns, und ich vergesse nie den Anblick (aus dem Taxi heraus, es fuhren, glaub ich, erst auch gar keine Busse mehr, hier das NonplusUltra der Fortbewegung, preiswert und zuverlässig) des total geschlossenen Städtchens Puerto de la Cruz, alle Rolläden runter, keine Menschenseele auf der Straße, nur die paar Menschen, die in den Supermarkt gingen, oder herauskamen, an der Kreuzung und überall Polizisten, so dass man sich anschnallen sollte, im Taxi, um ja korrekt zu sein, und die Maske auf, aber das war alles nicht so makaber, wie dieses ausgestorbene TouristenStädtchen im Norden Teneriffas – wo sonst das Leben quirlt, überall Musiken, Lachen, Menschen, und ich wurde von einem Weinkrampf überfallen, der sich kaum in Worte fassen lässt, der TOD einer Kleinstadt, die innerhalb weniger Tage, wie über Nacht wirkte es, abgewürgt war, nichts ging mehr. Muy muy triste, murmelte auch der Taxifahrer, muy muy triste….sooo traurig… Und eigentlich ist es so bis jetzt. Muy triste. Denn ohne Tourismus, mit den Einheimischen allein, bleibt alles – bis auf ein paar open air Kneipen, letztlich alles tot – wann es wieder live-Musik gibt, auf der Plaza, man zu live-Musik tanzt, all die Fremden und auch die entfernten Solisten wie ich, man kennt sich, tanzt, trinkt auch was zusammen, und pflegt seine Unabhängigkeit….Wie sehr ich diesem Land – nein, dieser Insel, nahe bin, mein Herz verwebt ist, zeigte mir diese unendliche Traurigkeit angesichts der abgeschlossenen Kleinstadt am Atlantik, Puerto de la Cruz. Und ehe ich jetzt wieder anfange zu weinen, weil ich so intensiv beim Schreiben fühle, sollte ich mich doch noch zu etwas Schlaf zwingen, aber nein, noch etwas, was mir auch schwer auf die Seele fiel – als wir endlich wieder raus durften, denn absolutes Ausgeh-Verbot, außer Einkaufen und zum Müll-Container, als dann nur stundenweise erlaubt war, nach Altersgruppen unterteilt. So dass wir Oldies und unterwergs angrinsten und ironisch grüßten. Vorher hatte ich eigentlich nicht so über mein Geburtsdatum nachgedacht. Genervt hat mich das allabendliche Klatschen der kanarischen Nachbarn, die dann auch von Fenster zu Fenster miteinander quatschten, ich fühlte mich als Fremde, denn ich klatschte kein einziges mal. Was auf dem Festland abging, war letztlich doch kein Grund zum Klatschen. Und umso viel weniger, wie sich jetzt herausstellt, weil so viele alte Menschen gestorben sind, sie wurden, wenn sie im Altenheim waren, nicht in den Kliniken aufgenommen. Der Tip war, “nimm sie mit nach hause und dann in die Klinik, sag nicht, dass sie – oder er, aus dem Altenheim kommen. So berichtete jetzt eine Spanierin, wie binnen kurzem ihre Eltern gestorben sind. Es ist eine große Trauer und ein noch viel größerer Zorn auf dem Festland Spaniens, auf die Regierung und ueberhaupt. Sie gehen auf die Straße und protestieren gegen dieses massenhafte Sterben ihrer Angehörigen. (Und da muß ich auch schon wieder mitweinen ). Nein, anders als in Deutschland, wo es denn bald das Dauer-Hin-und-Her – gab, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, wurden wir hier weggeschlossen, dabei gab es auf den Inseln vergleichsweise keine hohen Zahlen von Infizierten und auch wenn es Tote gab, jeder Tote hinterlässt eine Trauer, von der wir selten bis gar nichts erfahren…. Und dann alles abgesperrt, die Häfen, die Flughäfen, wir stehen noch unter diesem Schock. Und auch wenn die Strände inzwischen geöffnet sind – da es keine Touristen gibt, bleiben sie weitgehend leer. Die Abstandsbestimmungen wirken grotesk und lächerlich – denn es sind ja kaum Menschen da. Die Supermärkte gut gefüllt, wie all die Zeit und ebenfalls kaum besucht, die Einheimischen allein sind zu wenige, um Arbeitsplätze zu sichern. Ja Ihr Lieben, die Alegria, die Freude, die Heiterkeit, das leichte angenehme Leben – Vergangenheit. Dazu passt das merkwürdige Wetter, schwankt zwischen lähmender Hitze und kaltem Wind und Sandstürmen aus der Sahara, die alles mit gelb-braunem Stau bedecken…. Aber auch hier sagen die Canarios dann doch wieder, allmählich, mit einem kleinen – hilflosen? Lächeln “Manana es un otro dia!” Morgen ist ein neuer Tag – und es kann nur besser werden…Ja, Ihr Lieben, anders geht es gar nicht, mit dem Denken, sonst kannst Du leicht in totaler Melancholie versinken….Aber das möchten wir doch auch nicht… Auf gar keinen Fall, nicht wahr..?
Es ist 5:09 local time, Teneriffa, und die Tippfehler dürfen bis zum hellen Tag bleiben….Macht es gut, bis dahin.