Lisel Oppel: 1897- 1960 – . Eine Malerin, atemberaubend, zu Lebzeiten unterschätzt – neu entdeckt.

Kennt Ihr das? Ihr haltet ein Buch in der Hand, und schlag es auf – und – eine Woge von überwältigendem Glück durchströmt Euch?
Genau das ist mit mir geschehen, als ich die beiden Bände in den Händen hielt und aufklappte, die Biographie von Lisel Oppel, mit Bildern selbstredend auch – und denn zweiten Band des Kunstbuchs – mit den Bilderwelten der Lisel Oppel. Auch angereichtert mit biographischen Texten. Beide Bücher sind in sich perfekte Werke. Aber beide gemeinsam bilden das große Ensemble der Wiederentdeckung der Malerin Lisel Oppel, realisiert durch jahrelange und minutiöse Rercherche-Arbeiten der früheren Radio Bremen Journalistin und Redakteurin, als auch Moderatorin Christine Krause, einst Kunsthistorik studiert.
Lisel Oppel – ein Freigeist in einer Zeit, da Frauen eher weniger zu sagen hatten und an Herd und Heim gekettet waren, per Tradition. Und als Künstlerin, vor allem, weil eben weiblich – ohne connections, so würde man heute sagen, eigentlich buchstäblich starting from zero.
Stürzt Du Dich aber in ihre Bilder – der Bremer KELLNER-VERLAG hat sich mit schier unnachahmlicher Liebe der Aufgabe gestellt, und sie gemeistert, Lisel Oppels Malerei, ihre Malkunst, ihre Leidenschaft, ihre Farbkraft, ihre ungeheures – leider so unterschätztes Können und Talent, in fantastichster Weise auch optisch wiederzugeben, verlierst du die Welt um Dich herum, bist schier atemlos – so beeindruckt – von dieser Malerei – die eigentlich in den Museen der Welt hängen sollte – sie wird mehr und mehr „erkannt“ – aber in ihrem Lebensort Worpswede, Lisel Oppel ist im benachbarten Bremen geboren, arbeitet die junge begnadete Malerin, nach vergleichsweiser kurzer Ausbildung – „gegen Kost und Logis“ –heißt, letztlich ohne Bezahlung, um als Malerin zu überleben. Da so viele ihrer Bilder in Privatbesitz, wie Christine Krause recherchierte, wurde auch deutlich, dass Lisel Oppel oft mit ihren Bildern bezahlte, statt mit klingender Münze. Jedenfalls in langen Anfangsjahren.
Alles, wirklich alles, rührt mich an, rührt mich auf, berührt meine Seele, weil diese Malerin offenbar alles kann, und es wirkt wie mit leichter Hand und brennendem Herzen auf die Leinwand gebannt: Erwachsene Menschen, zarte Kindergesichter, Sommerlandschaften in Worpswede, flammende Blumen-Stillleben, Boote an der Hamme und Wümme. Szenen von Winter, schlittenfahrende Kinder am Worpsweder Weyerberg oder vor den typischen Bauernhäuser der Region. Sie fängt Leben ein, und Atmosphären, die mich immer wieder an die französischen Impressonisten denken lassen – die keine Vergleiche scheuen müssen, mit Namen, die in der Kunstwelt griffbereit, unbezahlbar heute – und sie – die höchst Talentierte, lebt ihr gesamtes Leben lang am Rande der Armut. Aber es scheint ihr nichts auszumachen, wenn man der Biograpie folgt. Ihre Leidenschaft für die Malerei schafft ihr so viele Freunde, Kontakte. Und wie sie es schafft in jenen Zeiten auch in Italien zu leben und zu malen, und sogar in Marokko – sie liebt auch Spanien, und soll sogar in Ägypten gewesen sein-
Jedes ihrer Bilder fängt die jeweilige Landschaft, das Leben, das Licht in den den anderen lichtvollen Ländern ein – ja, Lisel Oppel, wenngleich in Worpswede zuhause, auch im Haus im Schluh, bei den Vogelers ein-und-ausgehend, schafft es, wie genau, ist wohl nicht mehr wirklich zu recherchieren, trotz meist „ohne Geld“ – ihre Sehnsucht nach fernen Ländern, sie will etwas Großes machen, nicht nur auf einen Ort begrenzt sein – es gelingt ihr. Sie kann auch sheute noch ein Vorbild sein, ist es, für Nonkonformismus, für einen unbezwingbaren Freiheitswillen, der die wahre, echte Künsterlin ausmacht. Der nichts an materiellen Werten liegt, sondern, dass sie es schafft, ihr Handwerkzeug zusammenzukriegen, Farben, Leinwand und was sie zum Malen braucht, zu organisieren.
Selbst im Zweiten Weltkrieg. Der auch vor Worpswede nicht halt macht. Und viele Gemüter braun färbt.
Lisel Oppel schaffte es, kein Mitglied der Reichskunstkammer zu werden. Konnte so auch nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht war sie gerade in Italien oder sonstwo in der Welt unterwegs, sie hatte Tanten in der Schweiz, ebenfalls Künstlerinnen, bei denen sie auf ihren Reisen in den Sehnsuchtsort Italien jeweils einkehrte.
Als sie mit ihrem Sohn Claudio aus Italien nach Worpswede zurückkehrt, der junge italienische Vater des Sohns hat sich als Vater verleugnen lassen, (erst viel später in seinem Leben macht Claudio seinen Vater ausfindig, besuchte ihn und seine Halbgeschwister ) – ist es wieder ihre Improvisationskunst gegenüber des Lebens, den Sohn großzuziehen, ihn bei Freunden und Bekannten unterzubringen, wenn sie malen geht. Lisel Oppel liebt es, im Freien zu malen. Die Kate, die sie bewohnt, bietet auch keinen Platz für ein Atelier im konventionellen Sinn.
1997 wäre ein guter Anlass gewesen, die große Malerin in ihrem Lebensort Worpswede zu ehren.
„Wenn auch in Worpswede keine Ausstellung zu Oppels hundertsten Geburtstag stattfindet“ –
So schreibt Christine Krause,
„so wird dort wenigstens ein Weg oberhalb der Weyerberghütte nach ihr benannt, als ‚Geburtstagsgeschenk an die Künstlerin‘.
Die Autorin notiert ferner:
„Aufgrund der Geldnot der Gemeinde hatten das Ehepaar Schröder vom Kaffeehaus Niedersachsen und die Stiftung Worpswede (die dafür ihrerseits eine Spende bekommen hatte), die Kosten übernommen.“
Ein Foto zeigt, – wie Claudio, der Sohn von LISEL OPPEL, den Vorsitzenden der Stiftung Worpswede, Dr. Hans Ganten, stützt, der am Pfahl hochgeklettert ist , um das Schild mit dem Lisel Oppels Namen zu enthüllen.
„Es ist schon erstaunlich, dass sich in Worpswede niemand fand, der den 100. Geburtstag LISEL OPPELS zum Anlaß nahm, wenigstens Teile ihres in vielen ständigen Ausstellungen vertretenen Werks zu einer Schau zusammenzufassen“ – moniert der WESERKURIER .
Erst 2005 soll es zur ersten großen Retrospektive in der Großen Kunstschau in Worpswede kommen.
Unter dem Titel:
„Lisel Oppel – Leben und Werk im Spannungsfeld zwischen Worpswede und dem Süden“
Ein Höhepunkt der öffentlich Anerkennung dieses Künsterlinnenlebens, so schreibt Christine Krause, findet 2008 statt, als der Sohn den Nachlass seiner Mutter der Worpsweder Stiftung Museum Barkenhoff vermacht.
Claudio Oppel begründet seine Entscheidung damit, dass er glaube, dem Andenken seiner Mutter so besser zu dienen: Denn wenn man die Bilder verkaufe, verliere man sie aus den Augen.
Es war wohl ein geäußerter Stoßseufzer von Claudo Oppel im Rahmen dieser späten Würdigung seiner Mutter als Künstlerin:
„Leider gibt es keine Biographie. Das wäre mein größter Wunsch!“
Christine Krause hat als Rechercheurin und Autorin diesen Wunsch erfüllt.
Sie hat der Malerin ein Denkmal gesetzt.
Und der Nachwelt damit zugleich ein zeitloses Meisterwerk geschenkt.
Eine einzigartige Symbiose zwischen literarisch anmutender Biographie, zeitgenössischen Zeitbildern, und wissenschaftlicher Arbeit!

Eine Kurzimpression von MARI S. /Puerto de la Cruz/ Teneriffa